Die Anstalt vom 16. Mai 2017

Leiharbeiter – Mit Anny Hartmann, Arnulf Rating, Philipp Weber

Im Mai 2017 widmeten wir uns einem medial wenig beachteten Thema: der Leiharbeit. Das sogenannte und catchy betitelte "Arbeitnehmerüberlassungsgesetz" sollte die Leiharbeit neu regulieren und die Situation der Leiharbeiter verbessern. Allein, es kam anders...

Hintergrund

Echo

  • Gute Nachrichten: selten. Satiriker, die gute Nachrichten überbringen? Noch seltener! Aber, hier ist eine: #dieanstalt hat ein Gerichtsverfahren mitangestoßen, das womöglich Lohndumping bei der #Leiharbeit beendet. Neugierig? #satirewirkt Hier unser damaliger Twitter-Thread dazu:
  • Hintergrund: knapp eine Million Leiharbeiter*innen gab es zuletzt in Deutschland. In der Coronakrise werden immer mehr Stammbeschäftigte verdrängt: 1/3 aller offenen Stellen sind aktuell Jobs in der Zeitarbeit.
  • Leiharbeit lohnt sich. Für Unternehmen. Nicht für Zeitarbeiter*innen. Die kriegen oft deutlich weniger als regulär Beschäftigte. Für dieselbe Tätigkeit. Dabei verlangt das Gesetz eigentlich #EqualPay = gleiche Bezahlung für Leiharbeiter und Stammbelegschaft. Eigentlich...
  • Es gilt: gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Äh, außer man einigt sich auf was anderes. Tatsächlich schließen seit Jahren DGB-Gewerkschaften #Tarifverträge ab, die Leiharbeiter*innen schlechter stellen, als das Gesetz vorschreibt. Jep, richtig gelesen.
  • "Aber Claus, ein Tarifvertrag is besser als keiner!" Jep, nicht bei #Leiharbeit. Hier handeln Gewerkschaften Löhne aus, die unter dem liegen, was das Gesetz garantiert; und Verträge, die die Leiharbeit weit über den erlaubten Zeitraum ausdehnen.
  • „Ja, das ist ja alles schlecht und schön, Claus – aber was hat das mit #dieanstalt zu tun? Habt ihr dann mal wieder einen Chor von Leiharbeiter*innen auftreten lassen, wie das so sonst so Eure Art ist?!" - 1. Unverschämtheit. 2. Nein. Es begab sich anders...
  • Arbeitsrechtler Prof. Wolfgang Däubler hatte ne Idee: die dt. Leiharbeitsregeln gehören vor den Europäischen Gerichtshof! Denn: es gibt netterweise ne EU-Richtlinie, nach der man Leiharbeiter*innen durch Tarifverträge NICHT schlechter stellen darf!
  • Doch dazu muss erst geklagt werden. Aber Däubler fand keine Leiharbeiter*innen, die den langen (teuren!) Weg zum EUGH gehen konnten. Und jetzt hatten wir mal ne Idee: Wir machten #dieanstalt zur Kontaktbörse! Riefen Leiharbeiter*innen auf, sich zu melden. Und...
  • 500 Leiharbeiter*innen meldeten sich, @labournet half mit Spenden und eine Zeitarbeiter*in klagte sich bis vors Bundesarbeitsgericht. (Sie bekam nur 9,23 Euro Stundenlohn. Ihre festangestellten Kolleginnen für dieselbe Arbeit 13,64 Euro.) https://labournet.de/newsletter-donnerstag-17-dezember-2020/…
  • Und jetzt kommt's! Vor ein paar Tagen, am 16.12. hat das Bundesarbeitsgericht nun tatsächlich beschlossen, den Fall dem EUGH vorzulegen und... *hüstel Sind Sie noch da? Hallo?!
  • „Ja, bin noch da. Aber 'vorlegen'?! Das ist ALLES?!?? Ich bin diesem Thread bis hierher gefolgt, und dann... legt man nur was vor!?!“
  • Aber das ist ein Riesenerfolg: der EuGH wird jetzt klären, ob die Benachteiligung der #Leiharbeit rechtens ist. Prof. Däubler erwartet, dass Dumping Tarife gekippt werden. Dann können die Leiharbeiter*innen hierzulande auf deutlich mehr Geld hoffen! https://swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/leiharbeit-wichtige-gerichtsentscheidung-zur-gleichstellung-100.html…
  • In Polen und Frankreich gilt jetzt schon: gleiche Bezahlung ist zwingend. Ob das höchste Europäische Gericht den deutschen Unternehmern das Privileg erlaubt, sich ihre eigenen Billigarbeitskräfte zu schaffen? Bleiben sie dran. Wir auch! #dieanstalt #satirewirkt #langfristig