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Drei Sekunden Gegenwart
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Stimmen zu Claus v. Wagner

Süddeutsche Zeitung, 8. März 2010

"Was von Wagner auf der Bühne macht, hat mit gängigem Nummernkabarett oder Comedy nichts zu tun. Sein Programm "3 Sekunden Gegenwart" ist Ein-Mann-Theaterkabarett, eine veritable Tragikomödie und Abschluss einer Trilogie, mit der der 33-Jährige nun bereits im Range eines Frühvollendeten steht.

Campierte sein alter ego und Antiheld Joachim im vorigen Programm "Im Feld" noch auf dem Gärtnerplatz, um gegen die sich anbahnende Vaterschaft zu protestieren, der er sich nicht gewachsen fühlte, so finden wir ihn nun - eine gescheiterte Beziehung später - auf dem Speicher wieder: Verzweifelt sucht er eine Videokassette, die seine Eignung als Vater beweisen soll. Will ihm doch seine Ex - eine taffe Unternehmensberaterin, an deren Seite inzwischen ein supererfolgreicher, "humorresistenter" Strahlemann names Heiko sitzt - das Umgangsrecht mit seiner zweijährigen Tochter verbieten lassen.

Das Eintauchen in die Sedimente der familiären und eigenen Vergangenheit nutzt Claus von Wagner zu ausführlichen Exkursen in die Gegenwart. Natürlich kommen da all unsere sich immer absurder gerierenden Politiker vor, von Merkel - die er großartig parodieren kann - über Westerwelle und Rüttgers bis zu Öttinger und Seehofer. Lieber noch taucht Wagner aber in Strukturelles ein, geißelt Kapitalismus und Finanzsystem, durchleuchtet Schul- und Arbeitsalltag ("Arbeitslos wird man nicht einfach so. Dafür gibt es spezielle Ausbildungsstätten. Man nennt sie Hauptschulen.") und nimmt sich auch Zeitgeistabstrusitäten wie die Blackberry-Sucht oder die geheuchelte "Bio"-Ideologie vor. Immer mehr davon verpackt er in immer wirrer werdende Videobotschaften für ein Youtube-Tagebuch, das er seiner Tochter für den Fall der Fälle mitgeben will.

Denn in der Sache steht es nicht gut für ihn: In seinem immer verzweifelteren Kampf um seine Tochter, gipfelnd in exzessivem Kaffeekonsum und dem Verbrennen behördlicher Wartemarken hat er mittlerweile alle Entscheidungsträger von der Jugendamtsleiterin bis zur Richterin gegen sich aufgebracht - und die "Gegenseite" nutzt dies konsequent, bis hin zum Entmündigungsantrag. Im grandios verdichteten Finale dreht Wagner dann den Spieß um und rollt seinen eigenen, mit Kasperlepuppen, Bürolochern und anderen Requisiten inszenierten Weltprozess auf: Eine furiose Anklage gegen eine immer unmenschlichere Gesellschaft, gegen einen mit dem Verlangen nach Mobilität und Flexibilität immer selbstzerstörerischeren Lebensstil ("Die Hölle der Selbständigkeit: Wir arbeiten 24 Stunden, damit wir nicht acht Stunden für jemanden anderes arbeiten müssen."), gegen die immer bösartigere Hilflosigkeit der Politik.

Im Detail zwar lustig, aber im großen Ganzen wütend und verstörend: Claus von Wagners Stück ist großartiges Generationenkabarett mit dem Tiefgang eines antiken Theaters.

OLIVER HOCHKEPPEL

MERKUR ONLINE, 18. März 2010

"Inzwischen ist Claus beinahe erwachsen und ein mit renommierten Preisen überhäufter Kabarettist, der sein Publikum hinreißt mit einer Soloperformance, die weit über politisch-satirisches Begutachten des allgemeinen Unwohlseins hinausgeht.

Von Wagner hat auch im Alter von 32 Jahren ein hörbar großes Mitteilungsbedürfnis, die Gewandtheit seiner Rhetorik ist inzwischen brillant feingeschliffen, und er ist immer noch sehr genau. Genau in seiner scharfzüngigen Beobachtungsgabe wie in seiner phantasievollen Umsetzung des Erlebten, Gesehen, Gefühlten und Erträumten auf der Bühne.

Was er in seinem neuen Programm „3 Sekunden Gegenwart“ entwickelt, hat eine sprühende, explosiv die Lachmuskeln strapazierende Sogwirkung auf die Zuschauer. Er steht nicht auf der Bühne, er lebt, tobt, witzelt, beißt, sinniert und knallt zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübten Gemütswallungen wie im Squash hin und her. Und ohne es zu merken, verfällt man ihm und steckt als Zuhörer zum Beispiel mitten drin in einer Erinnerungskiste und weiß aus eigener Erfahrung: stimmt irgendwie, war damals bei mir auch so.

Und trotz atemberaubenden Tempos zieht von Wagner immer wieder die Bremse wie eine Art Stoppschild fürs Hirn, um mal kurz zu hinterfragen, wie sich eigentlich unsere „hinter uns her hechtenden Seelen“ in diesem ganzen Irrsinn fühlen. Echt super, wir können jetzt endlich immer schneller da sein, wo wir nicht hin wollen.

Jetzt, das ist dieser winzige drei-Sekunden-Moment, den Wissenschaftler als Gegenwart definieren und der die Weichen stellt für Zukünftiges wie Espressokonsum, Blackberry-Fieber, Bildungslücken. Geld war mal was Harmloses und Telekolleg-Papa gibt erste Lektionen über die Welt: Nimm dich in Acht vor Volks“vertretern“, vor Banken, die vorn am Schalter ihre Kugelschreiber fest ketten und hinten Geld verkaufen, das sie nicht haben.

Je näher der Schluss rückt, um so surrealer nimmt die imaginäre Gerichtsverhandlung ihren Lauf, und von Wagners Zorn glüht, lodert, brennt sich ein. Ein bemerkenswerter Abend.

Westdeutsche Zeitung, 10. September 2009

„Er könnte – aus optischen Gründen – eine Art junger und intelligent textender Roland Kaiser sein, dank gleicher Wortgewalt aber auch Nachfolger eines Vicco von Bülow, alias Loriot."

Der Neue Tag, 2. Juni 2009

„Wieder einmal ist Claus von Wagner der große Wurf gelungen. Drei Sekunden Gegenwart ist intelligent gemachtes klug durchdachtes Kabarett. Ein witziges, wie eindringlich-berührendes Ein-Mann-Theaterstück, mit welchem der Nachwuchskabarettist - fraglich, wie lange diese Bezeichnung eigentlich noch angemessen ist – den etablierten Kabarettgrößen verdammt dicht auf den Fersen ist. Vor allem jenen, die allein auf Pantomime und Pointendichte setzen. Kabarett kann mehr. Und dieses „Mehr", beherrscht Claus von Wagner wie kaum ein zweiter seiner Generation. Kabarettunterhaltung vom Besten."

Dieter Hildebrandt, Süddeutsche Zeitung, 19. März 2009

„Wir haben ja hervorragende Nachwuchskabarettisten wie Claus von Wagner – wenn die mal vierzig werden, haben sie was zu erzählen."

Kulturspiegel, Heidenheimer Neue Presse, 19. Mai 2009

„Claus von Wagner verbindet Brillanz mit Bodenständigkeit. Er räsoniert und polemisiert, er reflektiert und regt sich auf, der durchschaut und vernebelt. Er taucht in eine rasante Progression des Absurden, fühlt sich wie „Kafka auf Speed“. Er gräbt sich ein in die unterschiedlichsten Bereiche der Gegenwart – und formuliert immer wieder brillante Apercus. Zu Politik, die er ja zum Schluss gar als sich verteidigende Allegorie in einen Gerichtsverhandlung einbindet, fällt ihm der provokant-resignative Satz ein: „Demokratie ist, wenn man trotzdem wählt.“ Und nicht anders kann man sein Fazit zur verhandelten Gegenwart verstehen. Leben ist, wenn man’s trotzdem lebt. Und Zeitgenossenschaft, wenn man leidet, trotzdem reflektiert – und vorwärtsschaut. Claus von Wagner ist ein hochintelligenter und doch empfindsamer Kopf. Ganz unprätentiös brillant spielt er seine Drei Sekunden Gegenwart. Sein Programm ist ein durchdachtes, durchkonstruiertes Ganzes; er spielt, stellt dar, statt nur eigene Texte zu rezitieren. Man kann schon verstehen, wenn etwa Dieter Hildebrandt ihn für eine herausragende Nachwuchskraft des deutschen Kabaretts hält. Das ist er, aber auf eine sehr eigenständige, nachdenkliche und unaufdringliche, doch sehr kunstvolle Weise. Claus von Wagner hat dennoch Breitenwirkung – sein Publikum konnte er begeistern.“

Abendzeitung München, 12. März 2009

„Ein furioses Programm! Der 31-jährige Kabarettist glänzt durch Charme und mitreißender Bühnenpräsenz. Klug lenkt er den Blick vom Persönlichen aufs Gesellschaftliche und Politische. Geschickt dosiert er Witz und Ernst, Wut und Verständnis eines Losers."

Badisches Tagblatt, 9. Mai 2009

„In der eigenständigen Form des Kabarett-Theaters kommt seine Fähigkeit als Sprachfrüchtchen eindrücklich zum Tragen: wirkungsvoll perfektioniert, ideenreich untermauert, subtil und intelligent wortwitzig, aber auch anrührend ernst. Sein Alter Ego Joachim Wagner redet in den gut zwei Stunden ohne Punkt und Komma. Spielt sich atemlos und quirlig unter verrückten dramaturgischen Wendungen und auch mit Kasperlefiguren durch eine scheinbare Welt-Komödie, deren verzwickte Komplexität die Hauptfigur nur allzu leicht straucheln lässt.“

Neue Westfälische, 19. Februar 2009

„Was steckt nicht alles in diesem dichten Programm: Real- und Politsatire nehmen irrwitzige Wendungen zum Kasperletheater, berührendes Drama wechselt mit heiterer Komödie und sogar eine politische Weihnachtsgeschichte kommt vor. Tiefgründig, authentisch, witzig und brillante Inszenierungsideen. Reichlich Applaus für diese großartige Leistung.“

Weilheimer Tagblatt, 2. Juni 2009

„Nicht einfach eine Gagsammlung, sondern richtiges Theater. Mit böser Zunge und Esprit, mit so viel Witz wie Sinn. Von Wagner drechselt Gedanken, die länger wirken. In mehrerlei Hinsicht: ein starkes Stück, diese ‚Drei Sekunden Gegenwart’."

Passauer Neue Presse, 26. April 2009

„Während Claus von Wagner voll komischer Dramatik an der Welt verzweifelt, begeistert er mit einem sympathischen Humor, der weder seicht noch bissig ist und nur selten auch mal tiefschwarz wird: Etwa dann, wenn er Hauptschulen als „Ausbildungsstätten für Arbeitslose“ bezeichnet oder die moderne Welt anprangert mit einer Mobilität, bei der man „immer schneller da hinkommt, wo man gar nicht hin will“. Am Ende führt von Wagner die Angeklagten des Abends vor Gericht und verurteilt „die Umstände“, „die Gesellschaft“ und „den Kapitalismus“. So endet ein kurzweiliger und fantasievoller Abend mit liebenswerter Systemkritik. Großes Kabarett!“

Süddeutsche Zeitung, 15. April 2009

„Ernste Momente mischen sich mit Nachdenklichkeit über die Macht des Geldes, Konsumgier und Zukunftsängste. Und brillant am Ende dieses Kabarett-Theaters die Schlussszene vor Gericht. Ideen und schauspielerische Darstellung begeisterten das Publikum restlos.“

Badische Neueste Nachrichten, 9. Mai 2009

„In Kafka Manier, nur um Lichtjahre komischer, trifft sich Justiz, Gerechtigkeit, Politik und Vergangenheit zum Höhepunkt im Gerichtssaal. Hier fließen die Geschichten zusammen, die Tragödie nimmt ihren Lauf. Dabei schaut er dem Volk aufs Maul, lässt kein gutes Haar an der Politik und liefert eine gut beobachtete Analyse der absurdesten gesellschaftlichen Trends und Entwicklungen. Er schlüpft brillant in die einzelnen Rollen, seine Charaktere entstehen vor den Augen der Zuschauer durch wenige typische Gesten – und werden dann urkomisch auf die Bühne gestellt. Claus von Wagner fegt wie ein junger Wilder durch die Gehirnwendungen – und keine Pointe lässt unberührt.“

© Claus von Wagner
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