Kicker-Kolumne

Kicker Magazin

Fußball ist eine großartige Sache von fast shakespeareschem Format: Drama, Verrat, Niederlage, Triumph - und jede menge menschliches, allzumenschliches. Und man mag es nicht glauben, auch der Fußball hat zuweilen politische Qualitäten. Genug geredet: wichtig ist auf'm Platz! Und jetzt Anpfiff für meine gesammelten Fußball-Kolumnen aus dem KICKER.

Die Kolumne heißt übrigens: Abpfiff.

 

Oktober 2010  Welt-Fußball

Alles was passiert, passiert im Namen des Fußballs. Erkannt hat das Prophet Mario Gomez. Dass er wieder trifft, hatte nach seiner Auslegung nur einen Grund: "Als der Chilene Mario Gomez gerettet wurde, als einer von 33 Bergleuten, da habe ich gedacht, das kann kein Zufall, das muss Schicksal sein!" Die ganze Welt ist Fußball. Man muss nur die Zeichen lesen können: werden 33 chilenische Bergleute gerettet, schießt der Stürmer, der sowohl den Namen eines der Geretteten, als auch die Nummer 33 trägt automatisch 3 Tore gegen einen Verein, der 33 mal 3 heißt. Nämlich Hannover… 99. Na ja. Wer hat gesagt, dass das Schicksal gut in Mathe ist! 

Aber warum hat die Rettung der chilenischen Bergarbeiter den Kumpels von Felix Magath nicht aus der Grube geholfen? Die Zeichen stand doch gut: Schalke ist von jeher tief verwurzelt im Bergbau, die Amtssprache in Chile ist spanisch und Schalkes Stürmerstar kommt aus...? Richtig. Aber die Antwort ist einfach: das Glück von Chile hat der FCB letzten Dienstag gegen Cluj komplett selber aufgebraucht. 

Da müssen sich die übrigen Vereine schon andere Schicksale suchen. Stuttgart 21 etwa. Jetzt eindeutig das Schicksal des VfB: unterirdische Leistungen, die größte Baustelle weit und breit und den Trainer hat man in einem Gross-einsatz mit Wasserwerfern davongejagt. Es wird gemunkelt, dass die schwäbische Klubführung den Fans ihre Vereinspolitik bald nur noch mit dem Pfefferspray verkaufen kann. Dass bei fallender Formkurve von Mario Gomez, Uli Hoeneß persönlich 33 Bergarbeiter in seine Würstchen-Mine schicken will, ist dagegen selbstverständlich nur Aberglaube. 

Fest steht aber: dass Seehofer und Merkel den Stopp der Zuwanderung aus fremden Kulturkreisen wie der Türkei fordern, tun sie nur als geheime Botschaft an den deutschen Fußball. Altintops und Özils Schicksal gibt ihnen Recht. Der eine, Gastarbeiter in Bayern, ist unglücklich, weil seine Vordermänner ihn nicht integrieren; eine Tatsache, die man den Bayern natürlich nur bedingt vorwerfen kann. Die Integration von vier Holländern (ein Land mit dem man sich derzeit im Kriegszustand befindet) hat bereits zuviel Energie gekostet. 

Aber der andere, der von den tapferen Bremern mustergültig aus unserem Land ausgewandert wurde, gedeiht im Ausland zu königlicher Blüte! Dass es so bleibt, dafür sorgt die Kanzlerin persönlich; unterzieht Özil nach jedem Spiel einer gründlichen Leibesvisitation und führt ihn eigenhändig aus der Kabine. Multikulti ist tot! Es lebe Muttimerkel! 

Und die FIFA? Hat auch Licht entdeckt in dunklen Zeiten. So wurde überraschend festgestellt, dass es in der Schweiz – dem Land, in dem die FIFA zufälligerweise ihren Erstwohnsitz hat – nicht strafbar ist, wenn ein Mitglied eines Sportverbandes von einem Staat im Rahmen einer WM-Vergabe finanzielle Vorteile für die Erteilung eines Zuschlags entgegennimmt. 

Wenn das kein Zeichen ist!

 

Juli 2010 | Was wir gelernt haben bei der WM 2010

Auf drei Dinge kann man sich bei einer WM verlassen. Der Ball ist fürchterlich, die Schiedsrichter überfordert und englische Torhüter beides. Und: Prognosen taugen nicht. Beispiel? Brasilien und Nordkorea hatten versprochen Weltmeister zu werden. Und? Nichts! Na ja, Nordkorea hat wenigstens gekämpft. Vor allem gegen politische Fragen. Da waren sie so auskunftsfreudig wie die FIFA beim Thema Schiedsrichterleistung.

Argentinien dagegen hatte die beste Mannschaft der Welt. Laut Maradona, der vor jedem Spiel so viel gebetet hat, dass afrikanische Gebete gegen Armut kurzzeitig nicht mehr durchgestellt werden konnten. Diego, die Vuvuzela Gottes! Ach, die Vuvuzelas: Methoden diese Plastikposaunen von Jericho herauszufiltern wurden fanatischer besprochen, als der Torjubel von Lampard. Gut, der währte ja auch nur kurz.

Sicherheitstechnisch war die WM in Südafrika nicht die “größte Fehlentscheidung aller Zeiten“, wie Ulli Hoeneß das vermutet hat. Insgesamt verzeichnete man während der WM weniger Kriminalität als im französischen Mannschaftsbus. Die Schiedsrichter waren statistisch auch nicht so schlimm wie gefühlt, nur kurios: die erste deutsche Niederlage hatte ausgerechnet Alberto Undiano zu verantworten. Ein Spanier! Sein Motto: der ganze Platz ist Straf-raum. Die FIFA will jetzt über Videobeweise nachdenken. Aber wie immer, wenn die FIFA denkt, kann das dauern.

Was wir endgültig gelernt haben ist, dass die Spanier den Ball niemals freiwillig hergeben wollen: ein Tintenfisch aus Oberhausen hatte mehr Kontrolle über das Spielgeschehen als unsere Doppel-6. Dabei waren wir gut aufgestellt: Scholl war überragend, Kahn fand sich gut auf dem inneren Reichsparteitagsgelände zurecht und Netzer kam aus der Tiefe des Delling’schen Niveaus. Nur RTL machte auf Italien und hatte keine Lust. Netzers denkwürdigster Kommentar: "Jemand, der nach so einem Spiel auch noch seine Omas grüßt, das ist wahre Größe.” Sätze für die Ewigkeit.

Dann hat Robben noch Kopfball gelernt, Fabiano hat Müller gezeigt, wie man Handball spielt; Ballack verlor das Viertelfinale gegen Lahm, Messi agierte so torgefährlich wie Honduras, Arne wurde zu Friedrich dem Großen und auch Ronaldo spielte gewohnt brillant; die Rolle der teuersten beleidigten Leberwurst der Welt. Bester Torwart war eindeutig Suárez, Löw war blau und "Fick dich in den Arsch, du Hurensohn” klingt auf Französisch überraschend elegant. Das slowakische Äquivalent klang eher brutal.

Schlaaand spielte diesmal den fröhlichsten Fußball; Zitat eines russischen Reporters: "Was mich beeindruckt, ist dieser deutsche Patriotismus von jungen Leuten, die meist nur mäßig angetrunken sind." Damit meinte er das Public Viewing, nicht Lucas Podolski. Glaub ich. Eins noch: Liebe Sportfreunde Stiller, wir brauchen ein neues Lied. Das alte ist leider kaputt.

 

Juli 2009 | Europa ist Meister

Europa in der Krise. Doch: vom Fußball lernen, heißt: siegen lernen. Die Europameisterschaft war ein Erfolg – warum nicht auch Europa selber? Die Massen müssen nur wieder für Europa begeistert wird. Die Bedingungen sind gut. An der Spitze der europäischen Union steht im Moment Nicolas Sarkozy. Der Ribéry unter den europäischen Politikern. Ein kleiner, dribbelstarker Offensivspieler aus Frankreich. An seiner Seite: die Vizeeuropameisterin der Herzen. Angela Merkel. Fehlt nur noch einer, um Europa wieder in die Champions League zu bringen. Jürgen Klinsmann! Europa braucht ein Sommermärchen.

Und es geht bereits gut los. Klinsmann hat hart durchgegriffen und den Beamten in Brüssel die 8-Tage-Woche verpasst. Bei Reden im europäischen Parlament hängen die Politiker an Gummibändern von der Decke. Die Anzahl der Besucher auf der Parlamentstribüne hat sich schlagartig verdoppelt. Die EU-Reformen werden live im Fernsehen ausgestrahlt und von Kloppo per Videoanalyse auseinander genommen. Die Menschen völlig im Europa Fieber!

Klinsmann hat die Türkei eingewechselt und alle langwierigen EU-Entscheidungsprozesse in fernsehtaugliche Massenevents umgewandelt. In europäischen Großstädten sind Public Viewing Plätze eingerichtet, auf denen man die Entstehung einer europäischen Richtlinie live mitverfolgen kann. Monica Lierhaus berichtet vom Shuttlebus, der die Politiker vom Flughafen zum Europäischen Parlament bringt. 600.000 begeisterte Fans vor dem Brandenburger Tor sind eben Zeuge geworden, wie der schwedische Abgeordnete Per Lagerström in den Bus eingestiegen ist. Frau Lierhaus erklärte dazu, dass „der schwedische Abgeordnete Lagerström eben in den Bus gestiegen ist!“ Stehende Ovationen in Berlin. Die Szene wurde anschließend in Superzeitlupe noch einmal wiederholt.

Auch die Liveübertragung aus dem Unterausschuss „Sanitärkontrollen bei Gartengeräten“ ist ein Straßenfeger. Deutschland eindeutig Favorit und dass trotz leichten Verfassungsbeschwerden in der rechten Wade. Der erste Angriff kommt über links: „Die Lautstärke von Laubbläsern soll ab 15 Uhr um 0,6 Dezibel gesenkt werden!“ Klasse gemacht, aber Kontermöglichkeit jetzt für den italienischen Kleingartenexperten: „Bei uns fängt man ab 15 Uhr erst an zu arbeiten.“ Schöne Idee, doch die Bemerkung geht ins Seitenaus. Einwurf jetzt von Deutschland: „Deswegen liegt in Italien ja soviel Müll rum!“ Ein hässliches Foul! Eindeutig nachgetreten, doch der Parteiische lässt weiterlaufen. Und was macht Barroso!? Barroso könnte schließen. Barroso schließt! Barroso schließt mit der Bemerkung: nächsten Montag könne man sich ja wieder treffen...

 

Mai 2009 | Klinsmanns geheimes Tagebuch: Das Leben danach

Montag
Früh aufgestanden. Nicht viel zu tun. Keine Trainingseinheit vorzubereiten, keinen Spieler ein Stückchen besser zu machen. Bin trotzdem motiviert! Hab Marmelade hergestellt und in Einmachgläser gefüllt. So konnte ich wenigstens ein bisschen mit Gummibändern arbeiten.

Dienstag
Meine Frau Debbie ist Model. Auch sie versuche ich jeden Tag ein bisschen schöner zu machen. Aber sie hat mir verboten sie zu schminken, wenn sie schläft. Und jetzt hat sie mir auch noch untersagt Marmelade zu machen. Hmpf! Die von mir entwickelte Zentrifuge sollte lediglich den Aromastoffwechsel der Marmelade aktivieren. Und es hätte beinahe funktioniert! Nächstes Mal entwickele ich einen Deckel.

Mittwoch
Um 5.32 Uhr aufgestanden. Wollte die Sonne motivieren ein bisschen früher aufzugehen als gestern. Noch geht das Konzept nicht auf, aber wir sind auf einem guten Weg. Morgen werde ich den Kaffee motivieren, ein Stückchen mehr Zucker drin zu haben.

Donnerstag
Die Arbeit mit meinem Nachwuchs ist fordernd: zwei kleine Menschen, die ich jeden Tag ein Stückchen größer mache! Meine Frau ist dagegen. Vier Stunden Stretching pro Tag seien zuviel. Und wenn ich noch einmal versuchen würde, bei ihr Laktatwerte zu messen, dann... Lasse mir die Laune aber nicht verderben. Stelle mir vor, ich hätte eine Pressekonferenz nach einer 0:4 Niederlage – schön lächle ich wieder! Meine Kinder nennen mich jetzt nicht mehr Papa, sondern Haha!

Freitag
Meine Frau hat mich zum Bäcker geschickt. Da würde ich mich wenigstens auskennen. Der Bäckermeister war noch ganz schlaftrunken, dabei war es schon 2 Uhr morgens! Aber als ich ihn wach hatte, war er froh mich zu sehen. Er hat mich sogar in der Landessprache angesprochen: “Du hundsmiserabliger Saudepp! Schleich di!”. Das heißt auf bayerisch „Guten Morgen“. Hab ich beim FC Bayern gelernt. So hat mich der Karl-Heinz immer begrüßt.

Samstag
Na toll. Es regnet, ich darf keine Marmelade mehr machen, hab Hausverbot beim Bäcker, meine Kinder nennen mich gar nicht Haha, sondern lachen mich aus – und meine Frau hat mir grade eröffnet, dass man im „Maultaschen nähen“ nicht Europameister werden könne. Es ist verdammt hart ein Visionär zu sein heutzutage. (Als ich damals zum Uli gesagt habe, ich hätte Visionen, hat Uli vorgeschlagen, ich solle mal zum Mannschaftsarzt gehen. Seufz.) Wenigstens eine weiß meine Arbeit zu schätzen: Angela Merkel hat mich beauftragt wieder eine Mannschaft zu trainieren. Die würden auch in der Bundesliga spielen wollen und suchten dringend einen Trainer. Jetzt muss ich nur noch das Trainingsgelände finden -- von dieser SPD.

 

Februar 2009 | Spieler und Sprechblasen

Es ist schlimm. Immer mehr Fußballspieler werden auf ihre Interviews nach den Spielen vorbereitet! Zum Teil von denselben Beratern, die ihre Dienste auch Politikern zur Verfügung stellen. Dagegen muss etwas unternommen werden. Denn wollen wir wirklich, dass...

Reporter: Was war los mit ihnen am letzten Spieltag?
Spieler: (lacht) Was meinen Sie?
Reporter: Zum Beispiel ihr Foul. Sie haben ihrem Gegner absichtlich gegen das Knie getreten. Sie hatten nur Glück, dass der Schiedsrichter nicht hingesehen hat.
Spieler: Lassen sie mich zunächst einmal sagen, dass ich es genieße Fußball zu spielen. Der deutsche Fußball ist trotz Wirtschaftskrise stark und wir gelten weltweit immer noch als größter Rasenexporteur der Welt.
Reporter: Um auf das Foul zurückzukommen…
Spieler: Schön, dass sie das erwähnen. Wir vergessen oft uns mit Details zu beschäftigen. Aber sehen sie, in der großen Welt ist es wichtig das Gesamtganze nicht aus den Augen zu verlieren. Zum Beispiel die Tatsache, dass wir das Spiel nicht so hoch verloren haben, wie das viele vorher prophezeit haben.
Reporter: (genervt) Ich stelle die Frage anders. Wie erklären sie den Fans ihre brutale Härte?
Spieler: Die Fans haben ein Recht auf Ehrlichkeit! Und ich will ehrlich sein. Ohne die Fans wären wir nicht dort wo wir sind.
Reporter: Auf dem letzten Tabellenplatz?!
Spieler: (lacht) Sie haben eine faszinierend negative Art, die Dinge anzugehen.
Reporter: Und sie halten ihre Art den Gegenspieler anzugehen, für positiv
Spieler: Ich würde sagen, ich bin jemand, der auf die Menschen zugeht. Reporter: Mit gestrecktem Bein.
Spieler: Mit ausgestreckten Armen!
Reporter: (Atmet tief durch) Ein letztes Mal: Ihr Gegenspieler lag nach der Tat mit gerissener Patella-Sehne in der Kabine. Tut ihnen das leid?
Spieler: Natürlich, diese Kabinen gehören meiner Meinung nach endlich saniert. Es kann nicht sein, dass verletzte Spieler in einer solchen Umgebung leiden müssen.
Reporter: (gereizt) Ein Leiden, dass SIE ihm verschafft haben!
Spieler: Kein Grund für den Zustand der Kabinen.
Reporter: SIE waren der Grund für den Zustand ihres Gegenspielers!
Spieler: (lächelt) Nennen sie ihn doch nicht immer Gegner. Es gibt keinerlei Differenzen zwischen uns. Im Gegenteil. Wir haben gemeinsam etwas geschafft: ein packendes Spiel zu liefern.
Reporter (schreit): Sie haben 0:1 verloren! Und der einzige Torschuss ihrer Mannschaft war ein Eigentor. Von IHNEN! Sie haben ihre Mannschaft auf die Abstiegsplätze geschossen und einen gegnerischen Spieler krankenhausreif getreten! Und das alles vor laufenden Kameras.
Spieler: Sehen sie!
Reporter: WAS SOLL ICH SEHEN?
Spieler: Ohne mich, hätten sie nichts zu berichten!
Reporter: (isst sein Mikrophon)

 

Dezember 2007 | Die Weihnachtsgeschichte

(Frei nach Apostdolski Lukas, 11) Es begab sich aber zu der Zeit da ein Gebot vom Kaiser Franz ausging, dass alle Weltfußballer gekauft werden sollten; und das geschah als Ulli Hoeneß Statthalter in der Säbener Straße war. Und ein jederfan ging, da er das Krippenspiel zu schätzen hoffte. Auch wenn sie wunderten und klagten über das was der Verein zu bieten hatte. Und sie fanden auf dem Felde die Hirten von Hirta BSC Berlin, die sich da hüteten vor Abstiegsplätzen.

Da machte sich auch Joséf Ernesto Sosa aus Santa Fe, aus der Kabine auf den Weg mit Maria Toni, seinem anvertrauten Stürmer; der trug einen Ball unter dem Herzen. Neben ihnen trabte ein störrisches Tier, namens Kahn, mit vertrautem Gesichtsausdruck; er war sauer. Das Sturmpaar sah traurig aus, denn sie fanden keinen Raum zur Entfaltung. Als da Joséf auftauchte vor dem Tor der Herberge, suchte er den Zweikampf, doch es war kein Vorbeikommen und das Paar landete im Seitenaus. Doch es gab keinen Einlass.

Und alsbald war da die Menge der Heerscharen, erhob sich auf den Rängen und pfiffen auf das Spiel. Maria – die da jetzt war Ribery – fand eine Ecke für sich und Joséf. Es begab sich nun ein Spiel auf eine Krippe; Und es wurde begangen das erste Foul, man wickelte den Gefallenen in Windeln und legte ihn in eine Trage. Und die Hirten fürchteten sich sehr. Da sprach der Stadionsprecher: „Fürchtet Euch nicht! Ich verkündige Euch große Freude! Euch wird heute ein heilloser Sieg gelingen! Ihr werdet finden, den Ball in eine Eckfahne gewickelt, im Netze liegend.“

Da stürmten die Hirten, wie ausgewechselt. Und es traten an den Rand die Weisen aus dem Bayernland: Uli, Karl-Heinz und Beckenbauer. Sie waren den Stars gefolgt. Aber ihr Glanz war dahin. Sie trugen kein Gold mehr; nur Selbstbeweihrauch und myrrhische Gesichter. Da schüttelte der Kahn seine wilde Mähne und breitete die Wahrheit aus über die Seinen. Und ward fortgeschickt. Als dann geschah das Wunder; der Torwartgott blies vor Wut die Backen auf, alle warfen sich nieder und warteten auf den Sturm. Doch die See blieb ruhig.

Kahn nahm die Strafe hin, die ihm gegeben war. Behielt die Worte für sich und bewegte sie in seinem Herzen. Denn die Wahrheit ist stärker als des Ullis Gebot und Gebühr. Da eilten selbst die Hirten hin und lobten und preisten den Torwartgott für alles was sie gehört und gesehen hatten: „Ehre sei Olli da oben auf der Zuschauertribüne und Friede der Erde unter seinen Stollen. Dem Ulli ein Unwohlsein!“

 

April 2007 | Rosa Zeiten im Fußball

Uli Hoeneß ist homosexuell. Das ist natürlich nicht wahr. Trotzdem: behauptet wird es. Gut, meist vom Fanblock von Eintracht Frankfurt – und die Melodie dazu ist von „Yellow Submarine“, aber es ist ein interessanter Gedanke. Nicht, dass sie mich falsch verstehen: es ist gelogen. Aber man könnte es sich doch einmal vorstellen, dass der Uli... nur als Experiment. Ok?

Gut. Dann stellen sie sich jetzt vor, welche Auswirkungen diese Tatsache auf ihr Leben hätte. Und? Ach, sie sind Fan von Eintracht Frankfurt. Oh. Dann haben sie ein Problem. Wenn sie jetzt singen Uli Hoeneß sei homosexuell, dann ist das ja gar keine Beleidigung. Vielleicht könnten sie es umtexten? Uli Hoeneß ist heterosexuell. Das wäre dann...hm, eventuell kommen wir gegen Ende noch mal drauf zurück.

Möchten sie was sagen? Ja, der Herr mit dem T-Shirt „Bier-formte-diesen-schönen-Körper“. Aha. Sie sind gegen Klimawandel – und gegen Erwärmung im Fußballsport… ist notiert. Ja, Herr Ballack? Nein, niemand hat behauptet, dass sie schwul sind. Wirklich. Nun beruhigen sie sich doch. Ist denn jemand vom DFB hier? Ach. Wie ich höre, verspäten die Herren sich. Na ja. Beim Thema Rassismus ist der DFB ja auch erst dazugestoßen, als die ersten Rassisten aus Altersgründen schon wieder ans Aufhören gedacht haben. Was ist denn Herr Ballack? Nein. Wirklich keiner hält sie für schwul! Ganz sicher. Legen sie die Colaflasche wieder hin.

Ah. Die Herrn vom DFB. Willkommen! Na? Hausaufgaben gemacht? Hm. Nein, sie sollten drüber nachdenken warum man in Deutschland, wenn der DFB Schwulenfeindlichkeit in den Strafenkatalog aufnehmen würde, jedes zweite Spiel abbrechen müsste. Ach. Keine Zeit?! Schade. Sie hätten ihre letzte Arbeit wiedergutmachen können. Da haben sie nämlich unter die Frage: „Was sollen schwule Fußballprofis tun, wenn sie unter dem enormen seelischen Druck der Geheimhaltung zusammenbrechen?“ geschrieben: „Shoppen gehen“.

Nein! Nein! Nein, meine Herrn. Das ist KEINE Antwort! Genauso wenig wie ihr Kommentar auf die Frage warum der englische Fußball es geschafft hat Diskriminierung von Schwulen zu unterbinden und Deutschland nicht. Was? Aber ich erinnere mich! Sie haben geschrieben: „Weil die Engländer alles Schwuchtel sind.“ Hören sie zu! Langsam reicht’s mir mit ihren Ausflüchten! Wenn selbst unsere Bundeswehr in der Lage ist homosexuelle Kameraden und Gemeinschaftsduschen zu kombinieren – warum bringt es dann der deutsche Fußballfan nicht einmal fertig einem Schiedsrichter bei der Arbeit zuzusehen, ohne daran zu denken, dass der seiner kleinen Pfeife einen...

Was? Worauf ich hinauswill? Das kann ich ihnen sagen! Ich will, dass BILD eines Tages titelt: „Kahn betrügt Verena mit Mister Tirol!“ Und jeder Depp, der das liest, regt sich drüber auf, dass der Olli schon WIEDER EINE NEUE hat.
Das will ich!
Und Ballack! Bevor sie fragen: Nein! Damit sind nicht SIE gemeint!